Um Atem zu holen

Als es in der Corona-Zeit hieß: „Ab jetzt mit Masken“ war das eine Zäsur. Kontaktsperren habe ich leichter ertragen als diese Dinge vor der Nase. Sie machen das Atmen beschwerlicher und am Ende steht die Frage: Heute nehmen sie dir die Luft weg, was kommt danach?
Die Jünger stelle ich mir vor wie Menschen, denen die Luft wegbleibt nachdem ihre Leitfigur, ihre Hoffnungsperson nicht mehr da ist. Da wird es eng, da droht man zu ersticken. Wer in Atemnot kommt, wird handlungsunfähig, gerät unter Umständen in Panik, verschließt die Türen, zieht sich zurück.
Und dann kommt Jesus einfach so und wünscht ihnen Frieden. Frieden – Bei Jesus ist das mehr als die Abwesenheit von Krieg, da geht es um Frieden für innen und außen. Und er wünscht nicht nur mit Worten, wird körperlich, geht ihnen an die Kehle: Er haucht sie an. Das ist – nicht nur in Corona-Zeiten – ein No Go. Oder wann habt ihr das letzte Mal jemanden angehaucht?
Jesus geht es um da um mehr als um heiße Luft. Es geht um Leben, Vitalität, sprudelnde Lebensenergie, Leidenschaftlichkeit – kurz: Es geht ihn um den Heiligen Geist.
Was der bei den Jüngern bewirkt hat zeigt uns die Kirchengeschichte. Die Atemnot war wie weggeblasen. Sie gewinnen Handlungsfähigkeit zurück, gehen auf andere zu, reden von dem, was ihnen Hoffnung macht. Bis heute lebt seine frohe Botschaft fort.
Was nimmt uns die Luft zum Atmen? Was sind die Filter, FFP2, 3 oder noch mehr … die es uns schwer machen, tief einzuatmen? Ist es die Hektik der Zeit, in der alles so schnell geht, alles scheinbar gleichzeitig passiert? Ist es das Gefühl der Ohnmacht angesichts so vieler Katastrophen? Ist es der Blick auf meine eigene Verstrickung in Schuld, meine Unzulänglichkeit, Unperfektheit? Und sind diese Filter von außen aufgedrückt? Lege ich sie mir nicht allzuoft auch selbst und freiwillig an um zu verhindern, dass etwas wirklich an mich heran kommt, mich anhaucht?
All das gibt es, lässt sich nicht wegdiskutieren, ist Teil unseres Lebens. Aber es darf uns nicht den Atem nehmen, uns nicht handlungsunfähig machen. Schließt kurz die Augen, atmet tief ein: Wo spürt ihr den Hauch Jesu in eurem Leben? Sind da Menschen, Hoffnungsorte, Lichtblicke?
Habt Mut, die Masken abzunehmen. Seid bereit, euch anhauchen zu lassen vom Atem des Lebens. (bv)