25 Jahre Time-Out

Das war ein Besucherrekord: Zum 25jährigen Jubiläums des ökumenischen Time-Out-Gottesdienstes am 24. April 2024 kamen über 200 Menschen in die Aschaffenburger Stiftsbasilika um mitzufeiern. Über dem Altar schwebte diesmal an einem Gestell eine Weltkugel wie ein Pendel hin und her. Aber ansonsten war es so wie immer: Die Teilnehmenden versammelten sich um den Altar, ein Metronom wurde angehalten, eine Sanduhr umgelegt – und dann begann die spirituelle Auszeit.

Schon der erste Gottesdienst am 19. April 1999 startete so. Nach einer Begrüßung singt die Gottesdienstgemeinde seitdem jedes Mal den Kanon „Im Du und Ich ist Mehr“, dann wird in das jeweilige Thema eingeführt. Zentrales Element der Feier sind sogenannte Erfahrungsräume, in denen sich die Teilnehmer mit unterschiedlichen Methoden dem Thema persönlich nähern und eigene Gedanken einbringen können. Beim Jubiläumsgottesdienst waren das beispielsweise Meditationen, eine Bildbetrachtung, die Möglichkeit mit Farben kreativ zu werden, Balance-Übungen oder Gesprächskreise. Die Stiftsbasilika bietet mit ihren vielen Nischen, Seitenaltären, der Sakristei, dem Garten und dem Kreuzgang gute Orte für diese Form der Auseinandersetzung. Zur biblischen Lesung und deren Deutung treffen sich dann alle wieder um den Altar. Ein dreiteiliges Ritual mit Vater Unser und Segen schließt die Feier ab.  

Geboren ist die Idee für diese Form der spirituellen Auszeit im Rahmen der kirchlichen Jugendarbeit. Die Teammitglieder Robert Flörchinger, Peter Müller, Wolfgang Grose und Burkard Vogt waren damals in unterschiedlichen Funktionen in der Arbeit mit jungen Menschen tätig und suchten nach einer „spirituellen Tankstelle“ für Ehrenamtliche. „Wir haben diese Gottesdienstform auch mit dem Gedanken entwickelt, den Engagierten eine Möglichkeit zu bieten für sich selber etwas zu tun“, erklärt Flörchinger. Dieser Aspekt ist bis heute wichtig, auch wenn inzwischen das Evangelisch-Lutherische und das Katholische Dekanat die Veranstalter des Gottesdienstes sind. Für Müller ist eine der Besonderheiten der Veranstaltung, dass sie die Menschen bei dem abholt, was sie gerade bewegt. „Und das sind nicht immer ausdrücklich religiöse Themen, sondern oft persönliche Fragen wie beispielsweise die Erfahrung von Ungerechtkeit in dieser Welt“, erklärt er.

Das Team gibt sich viel Mühe, die traditionsreiche Kirche anders erlebbar zu machen als man sie vom Sonntagsgottesdienst der Gemeinde gewohnt ist. Da werden mit Scheinwerfern Lichtakzente gesetzt, da spielt eine eigene Band Neues Geistliches Lied, da versammelt man sich um den Altar, da kann man Orte betreten, an die man für gewöhnlich nicht kommt. Das ist viel Aufwand: Schon nachmittags beginnt der Aufbau, damit um 19 Uhr dann die Sanduhr umgelegt werden kann. In den 25 Jahren sind die Teilnehmenden gemeinsam mit dem Gottesdienst älter geworden und immer noch stoßen neue Menschen dazu, wenn einmal im Quartal zu Time Out eingeladen wird. Zwischen 18 und fast 80 Jahren sind die Time-Out-Besucher heute. Für das Jubiläum hatte das Team vorab um Rückmeldungen gebeten und viele haben sich per Mail gemeldet. Gelobt werden in den Zuschriften die Musik, die Atmosphäre, die liebevoll gestaltete Kirche, die Vielfalt der Themen und die kreativen Impulse. „Ich gehe immer mit einem inneren Frieden nach Hause“, schreibt eine Teilnehmerin und ein anderer findet: „Es ist toll, dass ich hier meinen Traum von einer anderen, besseren Kirche leben kann“.

Das Thema des Jubiläumsgottesdienstes war auch das Thema der ersten Auszeit vor 25 Jahren: Die Mitte entdecken. Und laut Flörchinger passt das auch sehr gut: „Um diese Mitte kreisen wir in jedem Gottesdienst.“ Das macht nach seinen Worten auch das Anfangslied deutlich, in dem es heißt: „Im Du und Ich ist, im Wir steckt immer Er, im Miteinander tut sich Gott uns kund.“ (bv)

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